
Geschäftsführer steht zu seiner Bereitschaft für den Hotelkauf
von Thomas Breuer
Delmenhorst. Der weiße Ritter sieht kein bisschen schwarz. Wenn der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft (GSG) ein günstiger Kredit bereitgestellt würde oder alternativ bestimmte Sanierungsarbeiten an Wohnbauten aufgeschoben werden könnten, sei ein Erwerb des Hotels am Stadtpark durch die von Delmenhorst und Stuhr getragene Gesellschaft möglich, sagte deren Geschäftsführer Stefan Ludwig. „Die GSG kann sich nicht verschließen, wenn der Stadt ein großes Übel droht“, steht für ihn fest.
Ludwig hat am vergangenen Dienstag an der Sitzung des Verwaltungsausschusses teilgenommen, die auf Anraten des Niedersächsischen Innenministeriums beschloss, den Ankauf des Hotels durch die GSG zu prüfen. Bereits zuvor hatte er mit Stuhrs Bürgermeister Cord Bockhop gesprochen, der für die Gemeinde Stuhr einen von zwei Sitzen im GSG-Aufsichtsrat einnimmt. Das der CDU angehörende Gemeindeoberhaupt habe signalisiert, dass, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt würden, aus Stuhrer Sicht einem Ankauf durch die GSG nichts im Wege stünde. Stuhr ist an der Gesellschaft mit knapp zwölf Prozent beteiligt und verfügt über entsprechende Stimmrechte.
Ludwig weiß, dass ihn ein kaufmännischer Spagat erwartet. „Wir dürfen bei unserem kaufmännischen Handeln die sozialen Belange nicht vernachlässigen.“ Letztere wähnt er zunächst im Echo, das aus der GSG-Mieterschaft vor allem in Düsternort zu vernehmen sei. „Da haben uns viele gesagt, dass sie wegziehen würden, wenn Neonazis nach Delmenhorst kämen. Einfache Leute mit wenig Einkommen haben Geld auf das städtische Treuhandkonto für den Ankauf des Hotels gespendet, damit es dazu nicht kommt.“
Sicher habe die GSG großen Finanzbedarf für die Sanierung betagter Wohnungen, doch im konkreten Fall sei für ihn das Abwenden eines Hotelkaufs durch den Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger „das hehre Ziel“. Jetzt gelte es zu gucken, „wie wir die Sache wirtschaftlich in den Griff bekommen“.
Zwischen den 1,6 Millionen Euro, die die Stadt zahlen darf, und den über 900.000 Euro Spendengeldern klafft momentan eine Lücke von 500.000 Euro. In welcher Form will er das Geld aufbringen?
Ludwig würde für ein vergleichsweise günstiges Darlehen plädieren, für das die Stadt möglicherweise als Bürge eintritt. „Dann könnten wir das Ganze reißen.“ Im Übrigen geht er davon aus, dass für eine künftige Nutzung des Baus, gleich in welcher Form, ein erheblicher Investitionsbedarf besteht.
Bildunterschrift:
Zuversichtlich: GSG-Geschäftsführer Stefan Ludwig.FOTO: GSG
Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (GSG) Delmenhorst
Die „Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Delmenhorst mit beschränkter Haftung“ wurde 1936 gegründet und als gemeinnützig anerkannt. Ein Jahr später begann sie mit dem Bau der ersten „Volkswohnungen und Gruppensiedlungen“, seit 1939 errichtet sie auch Mehrfamilienhäuser. Nach dem Krieg kam ihr ab 1949 eine tragende Rolle im sozialen Wohnungsbau zu, als zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene ein neues Heim benötigten. 1962 baute die GSG ihre ersten Seniorenwohnungen. Die Modernisierung des Wohnungsbestandes leitete sie 1974 ein und fasste 1978 auch auf dem Markt für Kaufeigenheime Fuß.
1990 trat die Gemeinde Stuhr als Mitgesellschafterin bei, worauf GSG-Neubauten auch in der Nachbargemeinde entstanden. Stuhr hält bis heute knapp zwölf Prozent der Gesellschaftsanteile. Insgesamt hat die GSG aktuell über 2800 Wohnungen in ihrem Bestand, viele davon behinderten- und seniorengerecht. Zusätzlich verwaltet sie 300 Objekte in Delmenhorst und Stuhr.
Entscheidungsgremien sind die Gesellschafterversammlung und der zwölfköpfige Aufsichtsrat, dem der scheidende CDU-Ratsherr Günther Seltenhorn vorsitzt und in dem Stuhr zwei Plätze einnimmt. Die Geschäftsführung liegt seit 1. Februar 2005 in den Händen des gelernten Kaufmanns und Juristen Stefan Ludwig.tbr