
Ökumenischer Gottesdienst gegen rechts
Unter dem Leitwort „Suchet der Stadt Bestes“ fanden sich gestern Abend zahlreiche Gläubige verschiedener Konfessionen in der Stadtkirche ein.
Delmenhorst (szy). „Alle sollen eins sein ...“ Gemäß dem Vers aus dem Johannes-Evangelium versammelten sich gestern Abend rund 300 Gläubige verschiedener Konfessionen aus Anlass der aktuellen Diskussionen über die Zukunft des ehemaligen Hotels am Stadtpark zu einem ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“. Unter dem Motto „Suchet der Stadt Bestes“ aus dem Brief des Propheten Jeremia schlossen sich die Christen im Widerstand gegen den Kauf der Immobilie durch die rechtsextreme Wilhelm-Tietjen-Stiftung zusammen.
Sowohl in der Predigt von Kreispfarrer Werner Rossow, Pfarrer August Hüsing und Pfarrer a.D. Dr. Albrecht Weber als auch in der Lesung wurden die Schrecken und Gräueltaten der Nationalsozialisten, die Millionen von Menschen den Tod brachten, und die damit einhergehende Missachtung der zehn Gebote in Erinnerung gerufen sowie vor der erneuten Verbreitung menschenverachtender Ideologien gewarnt.
Kreispfarrer Rossow, der nach eigenen Angaben während seines Urlaubs in Südfrankreich durch eine Fernsehsendung von den Ereignissen in seiner Heimatstadt erfahren hatte, zeigte sich beeindruckt vom Zusammenhalt der Delmenhorster Bürgerinnen und Bürger. Dass ein derart geschlossenes Vorgehen gegen die Gefahr von rechts nicht selbstverständlich sei, habe er in jungen Jahren persönlich in seiner Zeit als Jugendpfarrer erfahren müssen. Rossow dankte allen, die dazu beigetragen haben, dass sich der Widerstand formiert und sich das Spendenkonto füllt und warnte vor Führerkult und gefährlichen Ideologien. Er appellierte an die Besucher, sich von einem Glauben leiten zu lassen, der Frieden und Gerechtigkeit anstrebt.
Vor den Gefahren, die mit dem Einzug von Unmenschlichkeit einhergehen und die während der NS-Zeit millionenfach unsägliches Leid brachten, warnte auch Dr. Albrecht Weber. Er verwies auf die auch im Grundgesetz verbriefte Unantastbarkeit der menschlichen Würde. Wer diese antaste, fordere den Zorn Gottes heraus, unterstrich er.
Ein „Zusammenstehen, wenn die Würde eines Menschen missachtet oder missbraucht zu werden droht“, forderte auch Hüsing ein. Daher habe in Delmenhorst nichts Besseres passieren können, als die Geschlossenheit, mit der die Bürger für die Grundrechte und um der Würde aller willen eingetreten seien.
Bildunterschrift:
Der Widerstand gegen die drohende Gefahr durch braune Ideologien vereinte gestern Christen unterschiedlichster Konfessionen während des Gottesdienstes in der voll besetzten Stadtkirche.FOTO: Heike Szymczak